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19.10.2018 : 2:22

Senioren-Lotsen Friedrichshafen-Ailingen



Foto: Schwäbische Zeitung Friedrichshafen/Andre Weisser

Auch in diesem Jahr starteten die Seniorenlotsen in Friedrichshafen-Ailingen pünktlich zum Schulbeginn mit ihrem Einsatz am stark befahrenen Ailinger Kreisel. Bei Sonne, Wind und Wetter stehen sie dort, um hier den Schulanfängern sicher über die Straße zu helfen. Die Organisation wird durch Angelika Drießen und Gerdi Kling vom Ailinger Arbeitskreis Familie übernommen, die Schulung der 15 ehrenamtlichen Lotsen durch das Verkehrswachtmitglied und Polizeibeamten des Polizeipräsidiums Konstanz, Polizeikommissar Karl-Heinz Koß.

 

"Die Ausstattung mit Kelle und Sicherheitskleidung sowie die Versicherung erfolgt durch die Verkehrswacht Bodenseekreis", wie der 1. Vorsitzende der Verkehrswacht und ebenfalls Polizeibeamter des Polizeipräsidiums Konstanz, Polizeihauptkommissar Harald Müller erklärt. Der Ailinger Ortsvorsteher Georg Schellinger lies es sich nicht nehmen, die Seniorenlotsen persönlich zu begrüßen und für ihren Einsatz zu danken - und erhielt dafür ein "Ortsschild" im Kleinformat.


Franz Josef Hagel, Seniorenlotse der 1. Stunde, hat den Erwachsenen-Verkehrshelfer-Dienst aus seiner Sicht beschrieben:

Senioren-Verkehrshelfer ist eigentlich ein abstrakter Bergriff: "Menschliche Fußgängerampel, mit der man reden kann" wäre treffender.

Seit Jahren pflegen wir den direkten Kontakt mit den Schulanfänger-Kindern, heranwachsenden Jugendlichen und auch mit Erwachsenen. Wir bieten Sicherheit an und vermitteln eigenständiges Verhalten der kleinsten Verkehrsteilnehmer an Fußgängerüberwegen ohne polizeiliche Präsenz, zum Beispiel weites ausstrecken eines Armes als deutliches Zeichen gegenüber den Autofahren und gleichzeitiges Absperrsymbol.

Auch die älteren Fußgänger beraten wir im zielgerichteten Begehen der Zebrastreifen.

Die Erstklässler müssen vollkommen auf sich allein gestellt die Geschwindigkeit der Autos abschätzen können und dann noch beurteilen, ob das herankommende Auto auch anhält - vielfach eine nervige Anspannung. Auch der Autofahrer ist bei der Einfahrt in einen stark befahrenen Kreisverkehr linksseitig gefordert - und dann kommt noch der Fußgängerverkehr dazu. Durch ihre kleine Körpergröße wirken die Autos für die Kinder verhältnismäßig riesengroß. Deshalb verwandeln wir Verkehrshelfer in der kurzen Zeit von 4 Wochen das ängstliche Verhalten der Kinder in möglichst vertrauten Umgang mit dem Verkehr. Wir tragen eine Warnweste und haben auch eine Polizeikelle, den Kindern fehlen solche auffälligen Merkmale bei der eigenständigen Überquerung der Straße. Wie können deshalb die Kinder auf sich aufmerksam machen? Mein Vorschlag: Deutliches Ausstrecken eines Armes gibt dem Autofahrer zu erkennen, dass hier ein ganz kleiner Verkehrsteilnehmer über die Straße möchte - oder auch ein unsicherer älterer Mensch. Der ausgestreckte Arm hat dazu noch ein gewisse Absperrfunktion und ist ein deutliches Zeichen in welche Richtung das Kind und eigentlich jeder Fußgänger möchte. Wie können wir große Erwachsene ein gutes Vertrauensverhältnis zu den kleinen Kindern aufbauen?

Wenn die Kinder auf uns zukommen ein herzliches Lächeln zeigen. Die Kinder zuerst begrüßen (die sind noch sehr angespannt und vergessen das meist). Den Kindern in einem kurzen freundlichen Gespräch erklären was in der momentanen Verkehrssituation am Besten zu tun ist. Wenn dann die Kinder nach einigen Tagen ihre Mama vor dem Überweg stehen lassen und sich in die Obhut eines von uns Verkehrshelfern begeben - was gibt es für ein schöneres Danke an unseren Dienst.

Auch größere Schüler sagten nach einem Gespräch: "So einen Opa möchte ich auch haben."

Solche Begegnungen müssten die Suche nach neuen Verkehrshelfern eigentlich leicht machen. Wir Ailinger haben vor Jahren gesagt "Ja, das machen wir" - vor einigen Jahren hat ein berühmter Amerikaner dies leicht abgewandelt, indem er meinte "Yes, we can." Also, packen wir's an!

(Franz Josef Hagel)